Entstehungsgeschichte

Quelle: www.wikipedia.org

Zu Zeiten als Kanuten ausschließlich Rennen fuhren und weite Strecken in teuren Booten zurücklegten, fing man an, sich Gedanken über Mannschaftssport zu machen. Der Kanusport war bis dato nicht bedeutsam und dies spiegelte sich auch in den geringen Zuschauerzahlen wider. Das Interesse, an einen Fluss zu fahren und für einen kurzen Moment Boote vorbeiziehen zu sehen, hatten nur wenige. Um diesen Zustand zu ändern, hielt man nach erfolgreichem Teamsport Ausschau. Fußball mauserte sich gerade zum Volkssport und so beschloss man ein ähnliches Konzept zu verfolgen. Es galt also, den Kanusport auf ein Spielfeld zu bugsieren und darauf zwei Mannschaften um Ball und Tore kämpfen zu lassen. Und genau diese Idee verfolgten Kanusportler in England bereits seit Jahren. Sie nannten es Kanupolo.

Diese Idee wurde 1926 vom Deutschen Kanu-Verband (DKV) aufgegriffen und man gab die ersten Spielregeln bekannt, die noch sehr an Fußball bzw. Wasserball angelehnt waren. Es wurde auf einem Großfeld gespielt mit 90 bis 120 Meter Länge und 50 bis 90 Meter Breite. Die Mannschaften bestanden aus elf Feldspielern und der Ball durfte nur mit dem Paddel in etwas größere Wasserballtore befördert werden. Der Torwart durfte als einziger Spieler den Ball auch mit der Hand spielen. Weiterhin gab es eine Abseitsregel und es wurde zwei mal 45 Minuten gespielt, mit zehn Minuten Pause. Die Spiele fanden in Faltbooten statt, die zwar gut gepolstert waren, aber schnell beschädigt wurden. Die ersten Spiele fanden 1927 bei der Deutschen Kanumeisterschaft in Hamburg statt. Federführend war der Wassersportverein Polizei Hamburg, der anlässlich der Deutschen Kanumeisterschaften gegen eine Kombination aus Bremen und Berlin spielte. Aus diesen Erfahrungen entwickelten sich erste Regeländerungen. Alle Spieler durften jetzt den Ball mit der Hand spielen und es wurde nur noch 5 gegen 5 gespielt. Das Spielfeld wurde auf 60-90 Meter Seitenlinie und 40-60 Meter Torlinie, verkleinert. Die Spielzeit wurde auf 2 mal 30 Minuten gekürzt und der Ausschluss (Feldverweis) wurde eingeführt. Der Ball durfte nur 3 Sekunden in der Hand gehalten werden. 1928 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften in Potsdam ausgetragen, bei denen sich „WSA Polizei Hamburg“ gegen „VFK Lübeck“ durchsetzte und erster Deutscher Meister im Kanupolo wurde. Die hohen Reparaturkosten und der beginnende Zweite Weltkrieg führten 1935 zum vorläufigen Aus für den noch jungen Sport.

Kanupolo machte 1965 im Verbandsorgan des DKV, der Zeitschrift Kanu-Sport, durch eine kleine Notiz wieder auf sich aufmerksam. Es wurden Vereine gesucht, die an einer Neuauflage des Kanupolos Interesse hätten. Gemeldet haben sich daraufhin hauptsächlich einige Vereine aus dem Räumen Nordrhein-Westfalen und Hamburg, darunter auch wieder die Vorkriegsvereine „KG Wanderfalke Essen“ und „WSV Polizei Hamburg“. Ein Poloeinheitsboot wurde entworfen. Es sollte kurz, stabil, und sehr wendig sein. Puffer an den Enden sollten die Boote, bei nicht zu vermeidenden Kollisionen im Spiel, vor allzu starken Beschädigungen schützen. Das Einheitsboot wurde unter anderem darum entworfen, um beim Spiel keiner Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen. Ein großer Faktor spielte natürlich die Kostenfrage. Hätte man mehrere Bootstypen gehabt, so wäre das einzelne Boot teurer gewesen. Bei größeren Stückzahlen hingegen ließen sich die Kosten doch erheblich senken.

Nach ersten Demonstrationsspielen und einigen Turnieren fanden 1971 wieder Deutsche Meisterschaften in Salzgitter statt. Erst 1989 übernahm der DKV die Regeln der International Canoe Federation (ICF) und 1991 die grundsätzlich heute noch gültigen Kleinfeldregeln. Nun spielte man auf kleineren Feldern und in kurzen, leichten Booten. Dadurch wurde der Sport auch für Zuschauer wesentlich attraktiver. Erstmals wurden 1994 in Sheffield Weltmeisterschaften ausgetragen, bei denen sich die deutschen Herren den Titel des Vizemeisters sicherten. Seitdem werden Welt- und Europameisterschaften im jährlichen Wechsel veranstaltet, bei den ersten Weltmeisterschaften in Deutschland 2002 in Essen gingen 27 Nationen aus 6 Kontinenten an den Start. 1995 wurde die Kanupolo-Bundesliga für die Herren und 2008 für die Damen eingeführt. Bedeutendster Wettkampf sind jedoch die alle vier Jahre ausgetragenen World Games, bei denen Kanupolo seit 2001 Programmsportart ist.

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